Das halbe Dutzend von Neukölln

 

Beim Berlin-Liga-Team der Stunde, dem SV Tasmania Gropiusstadt, das in der Rückrunde kein Spiel verlor und seit dem Winter eine atemberaubende Aufholjagd gen Tabellenspitze zurückgelegt hatte, waren die KSCer im fünftletzten Saisonspiel am 18.05.2014 der krasse Außenseiter. Eigentlich eine Rolle, die dem KSC schon so manches Mal sehr gelegen hat. Doch es kommt nicht von ungefähr, dass die Neuköllner vor Kurzem selbst den Spitzenreiter aus Zehlendorf 6:1und im Pokal-Halbfinale den Regionalligisten BAK 2:1 bezwingen konnten.

 

Der KSC sah sich nämlich ab der ersten Minute der stärksten Offensive der Liga ausgesetzt. Unglaublich handlungsschnell und passsicher demonstrierte „Tas“ einen Klassenunterschied. Hinzu kam eine gnadenlose Chancenauswertung. Denn die Neuköllner brauchten nur zweieinhalb gute Gelegenheiten, um für die Vorentscheidung zu sorgen. Ein nach einer Flanke unhaltbar verlängerter Kopfball aus fünf Metern sowie ein (allerdings haltbarer) Schuss aus 16 Metern sorgten bereits nach 14 Minuten für klare Fronten. Der KSC selbst scheute zwar auch nicht den Angriff. R. Lehmus und Pohlmann sorgten für kluge Seitenwechsel im Spielaufbau, die für Raum (vor allem) auf der linken Seite des KSC sorgten. Diesen nutzte ein ums andere Mal Chr. Lehmus. Zweimal bediente er Stassen, der sich einmal verdribbelte und das andere Mal statt eines Doppelpasses nur ungefährlich auf's Tor schoss. Einige Male hätte Lehmus selbst abziehen bzw. Paeschke bedienen können. So blieb es beim KSC vorerst nur bei Vorstößen ohne nennenswerte Abschlüsse. Der Gastgeber hatte zwar nach dem 2:0-Führungstor das Tempo ein bisschen herausgenommen, blieb aber stets gefährlich. Bei zwei Aktionen zeichnete sich Keeper Kunze aus. Einen Schuss aus halblinker Position sowie einen Freistoß aus 17 Metern hielt er ganz stark. Die Abwehr des KSC (Reimann, Wolgast, Kadur, Walden) hatte alle Hände voll zu tun. Schmerzlich dann auch die frühe verletzungsbedingte Auswechslung von Kapitän Kadur, der jedoch von Jacob adäquat ersetzt werden konnte.

 

Das Spiel nahm ab der 46. Minute noch einmal richtig Fahrt auf. Die Neuköllner wechselten zudem mit Grubert einen Stürmer ein, der sich ganz besonders in den Angriffsfußball der Gastgeber integrieren konnte. Unglaublich rasches Umkehrspiel und/oder sehr gut getimte 40Meter-Pässe aus der eigenen Abwehr heraus, die vor allem Rechtsaußen Walden vor gehörige Probleme stellten, führten zu einer Tas-Chance nach der nächsten. Zwischen der 52. und 70. Spielminute schossen sich die Tasmanen mit vier Toren den Frust ihrer unglücklichen und seit her letzten Niederlage im Hinspiel gegen die Wendenschloßer (1:2) von der Seele. O. g. Grubert schoss dabei drei Buden selbst, auch den berechtigten Elfer zum zwischenzeitlichen 4:0 holte er raus. Es hört sich komisch an, aber Einbahnstraßenfußball war im Werner-Seelenbinder-Sportpark dennoch nicht zu sehen. Die Köpenicker hatten auch bei ihren vielen Vorstößen genug Raum, um sich nach vorne zu kombinieren. Der Unterschied zum Spitzenteam aus Neukölln war aber, dass man den rechtzeitigen Abschluss nicht fand. Zudem rannte Sturmspitze Stassen oft ins Abseits oder man verlor am 16er entscheidende Zweikämpfe gegen bissige Tasmanen. Als Chr. Lehmus dann doch zum Ehrentreffer abstaubte und der Ball im Netz zappelte, stand dem Torerfolg eine knappe wenngleich wohl berechtigte Abseitsentscheidung im Weg. Das Hin-und-Her auf dem durchnässten Rasen hielt bis zur 90. Minute an. Zweikampstark in den Köpenicker Reihen zeigten sich vor allem Wolgast und R. Lehmus. Die nunmehr besser stehende Abwehr vor Kunze verhinderte in den letzten zwanzig Minuten weitere Gegentreffer. Nach einem langen R. Lehmus-Ball erzielte Stassen, wenn auch eher glücklich, dann doch noch den verdienten Ehrentreffer.

 

Wie schon im Hinspiel gegen TeBe sowie im Rückspiel gegen Hertha 03 zeigte sich dem KSC auch an diesem Sonntag, dass der KSC bei weitem nichts in der Spitze des Berlin-Liga-Fußballs zu suchen hat. Tasmania hingegen wird, wenn die Saison in dieser Form zu Ende gebracht wird, wohl in der nächsten Saison kein erneutes Mal Gastgeber für den KSC sein.

 

Spiel: SV Tasmania – KSC 6:1 H:(2:0);

Tore: 1:0 (7.'), 2:0 (14.'), 3:0 (52.'), 4:0 (61.'), 5:0 (66.'), 6:0 (70.'), 6:1 Stassen (85.')